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DIESE GUT / Good News

Rogo DeVille und die Poesie der Dunkelheit

„Das Ticken jeder Uhr erstürbe. Endlich! Sterben ist kein schlechter Zeitvertreib, vertriebe es doch endgültig die Zeit, aus einer Welt, die nur erdacht….“

Wenn Rogo DeVille seine Stimme in die Welt schickt – seinen „Bari-Nor“, wie er ihn selbst nennt, also einen 3-Oktaven-Mix aus Bariton und Tenor -, dann beschwört er etwas, das ganz tief seiner Seele entspringt. Etwas Bedrohliches, gelegentlich auch Hilfloses schwappt in diesen Momenten an die Oberfläche. Der sinistre Künstler und Lebemann zerrt seine Dämonen von einst wenn schon nicht ans Licht, dann wenigstens ans Zwielicht. Das Sangesorgan hat durchaus den Blues infiltriert, ist aber mehr eine bösartige Version etwa von Marius Müller-Westernhagen, auch das Brutale eines Till Lindemann oder das Krächzende eines Tom Waits schimmern durch. Nicht umsonst sagt DeVille über sich, er sei „der Poet der Dunkelheit“. Auf seinem aktuellen dritten Audio-Album legt er etwa Memoiren an seine Zeit in der „Klapse“ bloss, also in der Psychiatrie, die er insgesamt rund 40 Mal heimsuchte, mal freiwillig, mal unfreiwillig, und die äußerst schmerzhaft verlaufen sind. Gleichzeitig beschwört er die Sehnsucht nach einem „wahren Freund“, den Rogos Ansicht nach jeder von uns benötigt. Er nennt seine Arbeit „Poetry Slam Rock“, denn auf seinem aktuellen Werk finden sich nicht nur zwölf Lieder, sondern auch vierzehn Gedichte, die sich gegenseitig kongenial ergänzen. Der in Landsberg lebende Sänger und Dichter, hat als Vorläufer seines aktuellen Albums, das am 1. Oktober erscheinen wird, bereits im Frühjahr 2024 kraft „Gespräch mit Herrn Schwarz“ ein neues Buch herausgebracht, sein bislang letztes. Das Werk ist unterlegt durch die dunkelbunten Seelenbilder von Malerin Maria Stoll. Der Autor lässt mit seinem schmalen Band tief eintauchen in das, was man Sinn des Daseins ganz allgemein nennt. Mystisch-düsteres Titelbild sowie Buchtitel deuten schon an, bei wem es sich um Herrn Schwarz handelt: Es ist Konversation mit dem Herrn der Finsternis. Gesprächspartner ist Salvador, Drache des Lichts. Zwischen den beiden – die man gemeinhin „das Gute“ und „das Böse“ bezeichnen könnte – findet ein hoch philosophischer Diskurs statt, bei dem Gott und Satan eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Vor allem aber ergibt sich am Ende der Unterhaltung, dass der eine ohne den anderen keine Existenzberechtigung hat. Herr Schwarz verbirgt nie, dass er sich mit den dunklen Machenschaften dieser Welt verbündet hat. Doch ganz so einfach ist es nicht, was eindeutig gut und was eindeutig böse ist. Um nichts weniger geht es… In den 90ern stand Rogo – damals unter dem Pseudonym „Chris Rogo“ mit „Die Schande“- erstmalig im gleißenden Licht der Musikindustrie. So spielte er im Vorprogramm von Gianna Nannini, es folgten großzügig dotierte Label-Verträge, das volle Rock & Roll-Programm eben. Seine musikalischen Wurzeln liegen seit jeher im Rock und Metal. Eines Tages sorgte ein manisch-depressiver Zusammenbruch dafür, dass Rogo ganz rasch von der Erfolgsleiter runter und unsanft auf den Boden fiel. „Doch dieses Ereignis war nicht das Ende“, reflektiert DeVille, „stattdessen eine brutale Entschleierung.“ In der totalen Dunkelheit, die ihn damals umgab, erarbeitete er das, was kein Major-Label der Welt produzieren kann – seine eigene ungeschminkte Wahrheit. Heute führt er als zertifizierter Genesungsbegleiter (EX-IN) andere Menschen mit seelischen Challenges gemeinsam durch ihre Lebensstürme. Das Leben selbst ist für ihn mittlerweile kein Zufall mehr, sondern ein individuelles Kunstwerk zwischen Wille und Schiksal. Aktuell ist „Poetry Slam Rock“ für Rogo seine radikale, innovative Ausdrucksform in das Licht seiner Wahrheit. Das nun erscheinende dritte Werk ist die musikalische Manifestation seines Zehn-Jahres-Plans. Es ist die Einladung an alle, die sich nicht mehr mit Plastik-Kultur oder KI zufriedengeben möchten. Rogo singt längst nur und ausschließlich für sein Publikum. Dafür performt er mit der Urgewalt eines Künstlers. Ein Artist, der weiß, dass man nur im Feuer geschmiedet werden kann. Das nächste Album entsteht demnach für alle diejenigen, die für den Akt Ihrer eigenen persönlichen Auferstehung bereit sind. Es soll Ansporn für die Menschen sein, die dafür aufgeschlossen sind, ihr ureigenes Comeback im Leben zu feiern. „Der Poet der Dunkelheit“, so passend der Titel der nächsten Produktion, begründet eine neue Ära im Schaffen von Rogo deVille. Salvador der Drache, übrigens von Tochter Leonie gezeichnet und entworfen, ersteht zum dritten Mal auf, um Licht in Finsternis zu finden. Untermalt wird diese Suche nicht von nett-banalem Rock, stattdessen von „Poetry Slam Rock“: Das ist die Symbiose aus messerscharfer Lyrik und brachialer Urgewalt. Ziel des Ganzen ist die „Allianz des Lichts“.

Was verbirgt sich dahinter? Auf dem aktuellen Opus beleuchtet Rogo die Schatten. Nicht um zu zerstören, sondern um als Mensch zu wachsen. Dabei hilft ihm „Poetry Slam Rock“, weil dieser keine Kompromisse eingeht. Die rohe Energie des Rock trifft auf dunkelbunte, deutschsprachige Lyrik. Es ist Musik für Leute, welche gegen die Konformität und Gleichgültigkeit kämpfen. Für eine neue Zeit! Und was hat Rogo deVille aus seiner turbulenten Vergangenheit gelernt? „Die Verwandlung vom manischen Psychotiker zum „Inspirator“ irgendwie“, ist er überzeugt. „Dabei helfen mir meine innigsten Zeilen Texte und wundergeile Musik aus dem Schatten meiner Seele heraus. Ich will der Zündstein für eine neue Art des Denkens sein. Gemeinschaft. Respekt. Auch Liebe. Musik machen für Menschen, die gegen Diktatur und für eine neue Zeit sind. Kunst für Menschen, die in den Abgrund geblickt haben. Und gerade deshalb immer weitermachen. Eben normale Menschen wie ich.“

ANNY KOHL & MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK